[Rezension] Tannenstein

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von Linus Geschke

Erscheinungstermin: 31. Januar 2019
Klappenbroschur,
384 Seiten,
Originalausgabe;

ISBN: 978-3-423-26218-7
€ (D) 15,90 | € (A) 16,40
ebook € (D) 13,99

Verlag und Quelle für Bild, Autorenbeschreibung sowie Klappentext: dtv premium


 

 

der Autor: 

Linus Geschke, 1970 in Köln geboren, arbeitet als freier Journalist für ›SPIEGEL online‹, das ›Manager Magazin‹ und die ›Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung‹. Für seine Reisereportagen hat er mehrere Journalistenpreise gewonnen.

Klappentext:

„Wenn der Wanderer kommt, sterben Menschen. Elf in Tannenstein, einem abgelegenen Ort nahe der tschechischen Grenze. Ein Tankwart im Harz, eine Immobilienmaklerin aus dem Allgäu. Der Killer kommt aus dem Nichts, tötet ohne Vorwarnung und verschwindet spurlos.

Der Einzige, der sich ihm in den Weg stellt, ist Alexander Born: ein Ex-Polizist mit besten Kontakten zur Russenmafia. Einst hatte der Wanderer seine Geliebte getötet, jetzt will Born Rache – und wird Teil einer Hetzjagd, die dort endet, wo alles begann: Tannenstein.“

Zitate: 

Vielleicht sah er keinen anderen Ausweg; vielleicht dachte er, er hätte eine Chance. Er hatte keine. Seite 12

Er hatte kein Problem damit, eine Waffe zu holen, mit der er einen Menschen töten wollte, aber ein achtlos in der Landschaft liegen gelassenes Stück Plastik bereitete ihm Gewissensbisse. Seite 35

Ohne ihn, das wusste er, würde es nur noch Dunkelheit geben. Seite 112

Meinung:

Ein Ex-Cop und -Häftling, der gerne mal etwas abgegriffen hat und eine prinzipientreue Polizistin sind wohl die schlechteste Kombi um einen Fall zu lösen, oder?
Vor allem, wenn es bei einem der beiden um Rache und beim anderen um die gerechte Strafe im juristischen Sinne geht, oder?
Blöd nur, wenn man letzten Endes eigentlich gar keine andere Wahl hat, weil man sich von jetzt auf gleich in eine Situation gebracht hat, in der es eigentlich nur noch ums blanke Überleben geht.

Obwohl Linus Geschke ja mittlerweile kein Neuling mehr auf dem Autorenmarkt ist, war „Tannenstein“ mein erstes Buch von ihm. Wo bietet es sich mehr an einzusteigen, als bei einer neuen Reihe 😉

Vom Schreibstil her habe ich absolut nichts zu mäkeln. Geschke erzählt die Geschichte in kurzen Kapiteln mit einem angenehmen Schreibstil, bei denen immer wieder die Perspektive wechselt. Das wäre an sich schon spannend, aber er schafft es das Ganze noch zu toppen. Jetzt fragt ihr euch sicher, wie er das macht, oder?
Für mich hing das zum einen damit zusammen, dass wir nicht nur die Sicht von Born oder Norah erleben dürfen, sondern auch aus ein paar der doch etwas böseren Buben sowie ganz anderen Charakteren. Ich muss zugeben, dass ich eine Zeit lang nicht so recht wusste, wer für den weiteren Verlauf noch wichtig werden würde, oder wer sowieso stirbt, aber das bekommt man dann doch recht schnell heraus.
Zum anderen ist euch sicher aufgefallen, dass ich -was die Handlung betrifft- nicht wirklich ins Detail gegangen bin, oder? Das liegt daran, dass der Autor unheimlich viel Augenmerk darauf gelegt hat, beide Seiten -„gut“ und „böse“- sowohl mit Leben zu füllen, als auch die Grenzen zwischen Schwarz und Weiß komplett verschmelzen zu lassen. Plötzlich hat man Mitleid mit einem der Kriminellen, oder ein vermeintlich korrekter Charakter geht einem ziemlich auf den Keks. Man sieht sich des Öfteren vor einem doch eher moralischen Dilemma, zumal es doch viel um das Thema Selbstjustiz geht. Was ist richtig, was ist falsch, wie weit würde man selbst gehen und vor allem, durch welchen Auslöser würde man sich eventuell doch über seine eigenen ethischen Grenzen hinwegsetzen?? Fragen über Fragen denen man sich als Leser immer mal wieder stellen muss und die dieses Buch für mich zu etwas Besonderem gemacht haben. Das ließ mich sehr gerne darüber hinwegsehen, dass ein paar Kleinigkeiten oder eher gesagt Entscheidungen der Protas nicht zu 100% nachvollziehbar waren – also zumindest für mich nicht. Aber das Gesamtkonstrukt, die Spannung und das Kopfkino konnten das allemal wieder wett machen.

Was man jedoch dazu sagen muss, ist, dass es bei „Tannenstein“ thematisch einfach um Auftragskiller, Zwangsprostitution, Korruption, etc. geht, dementsprechend direkt und stellenweise brutal ist das Buch auch szenenweise. Ich meine, ICH fands toll, für mich wäre ein zärtlicher Mörder in dem Kontext nicht infrage gekommen. Jedoch sollte man nunmal auch nicht pingelig sein, wenn einem -bildlich gesprochen- beim Lesen mal etwas Hirnmasse um die Ohren fliegt 😉
Für mich war „Tannenstein“ jedenfalls ein gelungener Einstieg und ich freue mich schon jetzt auf eine Fortsetzung.

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