[Rezension] The Hurting – Als du mich gestohlen hast

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von Lucy van Smit

Originaltitel: The Hurting
Originalverlag: The Chicken House, 2018
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz

Erscheinungstermin: 28. Februar 2019
Hardcover, 14,80 x 21,00 cm
368 Seiten, ab 14 Jahren

ISBN: 978-3-551-52112-5
€ (D) 17,00 | € (A) 17,50
ebook € 11,99

Verlag und Quelle für Bild, Autorenbeschreibung sowie Klappentext: Carlsen/Chicken House

die Autorin: 

Lucy van Smit ist eine preisgekrönte Autorin, Drehbuchschreiberin und eine Künstlerin, die es bedauert, dass sie die meisten ihrer Gemälde für die Miete verkaufen musste (Moderator Jeremy Clarkson besitzt zwei Bilder von ihr). Nach ein paar katastrophalen Fehlgriffen in Sachen Liebe gönnte sie sich ein Jahr Auszeit von der Kunsthochschule, riss nach New York aus und verkaufte in Amerika von Tür zu Tür Enzyklopädien. Sie machte einen Bachelor in Fine Art, ergatterte sich einen Job beim Fernsehen, reiste für NBC News um die Welt, flog in der Air Force One mit Präsident Reagan und wurde auf dem Flughafen Manila während des Putsches von Panzern eingekesselt. Dann beschloss sie, es ruhiger angehen zu lassen und machte Dokumentarfilme fürs kanadische Fernsehen über Schriftsteller wie John Le Carre und Ian McEwan. Obwohl sie Legasthenikerin ist, bestand sie ihren Master in Creative Writing mit Auszeichnung. Gemeinsam mit ihrem Mann, Sohn und ihrer verrückten Katze, die in der Nachbarschaft auch als Sid Vicious bekannt ist, lebt sie in London. »The Hurting« gewann den ersten Bath Children’s Novel Award.

Klappentext:

„Nordic Noir trifft auf Brontës Sturmhöhe.

Nell glaubt nicht an Liebe auf den ersten Blick – bis sie Lukas begegnet. Dem attraktiven und irgendwie wilden Jungen im Wolfsmantel. Mit Lukas wird ihr Leben schöner, mit ihm kann sie glücklich sein. Doch Lukas verfolgt einen finsteren Plan und als Nell das begreift, ist sie schon mitten im Nirgendwo, hat ein Kind entführt und wird von der Polizei gesucht. Und hier, in der Einsamkeit norwegischer Wälder, beginnt für sie ein Überlebenskampf – gegen die Natur, gegen Wölfe, gegen den Schmerz und gegen den Jungen, den sie liebt.“

Zitat:

Ich dachte immer, meine Freunde hätten übertrieben, wenn sie von Liebe geredet haben. Dabei haben sie untertrieben.“ Seite 87

Meinung:

Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hatte, war ich einerseits verliebt, denn dieses Cover und dieses „Nordic Noir“ haben mich schon recht neugierig werden lassen. Andererseits hatte ich ein bisschen Bammel vor der „Liebe auf den ersten Blick“ und hatte gehofft, dass dieser Teil nicht zu groß sein wird und so die Spannung vielleicht leidet.
Effektiv wurde es für mich zu einer gelungenen Mischung von allem und vor allem der Liebesaspekt war dann so ganz anders als erwartet. Aber fangen wir doch von vorne an…
Schreibstil tiptop, flüssig, angenehm und sehr eingängig, da gibt es nichts zu mäkeln.
Das Umfeld von Nell ist dann jedoch ein ganz anderes Kaliber! Aufgewachsen ohne Mutter, kümmert sie sich um ihre krebskranke Schwester und ihren Vater, der Alkoholiker ist. Da fing das Problem dann an. Man ist beim Lesen derart zwischen Mitleid und -Entschuldigung- Hass hin- und hergerissen, dass es einen schwer zum Nachdenken bringt. Mitleid mit Nell, die effektiv nur eine aktuelle Form eines Aschenputtels ist, ungeliebt, gedemütigt und von ihrer kranken Schwester verraten und gepiesackt! Ich muss ehrlich gestehen, dass schwer kranke Charaktere in Büchern, die sich verhalten wie egoistische PIIIIEEEEEP, mir einfach immer wieder zusetzen. Ich meine, klar haben Menschen mit Schmerzen vermutlich jedes Recht sich zu verändern und auch unzufrieden oder unglücklich zu sein, ich kann das sehr gut nachvollziehen! Das hat vermutlich auch fast jeder von uns schonmal erlebt, ob am eigenen Körper oder im Bekanntenkreis. Aber was Harper da mit Nell veranstaltet und noch getoppt wird von ihrem gemeinsamen Vater, MANN, da musste ich manchmal dann doch erstmal ruhig bis 10 zählen…
Und dann kommt Lukas. Lukas, der ihr zum ersten Mal im Leben etwas anderes als Verachtung entgegenbringt. Natürlich ist es leicht jemanden „gefügig“ zu machen, wenn man ihn mit Liebe und Emotionen füttert, die er bis dahin nicht erleben durfte. Deshalb kann man als Leser vermutlich auch gut mit der ein oder anderen Szene leben, in der mein Kopf sagen möchte: „ach nee, DAS würde man jetzt aber nicht mitmachen“ und sich dann aber umentscheidet, da man bei einem emotional ausgehungertem Menschen einfach ganz andere Maßstäbe ansetzen muss. Da bekommt das Sprichwort „Liebe macht blind“ nochmal eine ganz andere Bedeutung, als es das bei einem „normalen“ Menschen bereits tut.,

Ihr seht, rein von diesem Standpunkt aus, handelt es sich in meinen Augen um ein hochbrisantes Thema, das viel Spiel zum Nachdenken und eigene Interpretation lässt. Was ist Liebe, was einfach nur noch destruktiv?
Nells Geschichte handelt in einem solchen Umfeld und wird dann noch getoppt von einem Gefallen, den sie Lukas tut und der sie letzten Endes in einen Überlebenskampf geraten lässt, der mich sehr fesseln konnte. Manipulation, Intrigen und gestörte Persönlichkeiten inklusive, ihr dürft gespannt sein!

Mir persönlich hat „The Hurting“ sehr gut gefallen, auch, wenn es vermutlich anders ist, als die meisten von euch erwarten. Die Entwicklung die die Geschichte durchmacht und die dadurch enthaltenen Wendungen sind oft unverhofft und sehr, sehr spannend.

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