[Rezension] Die letzten Meter bis zum Friedhof

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von Antti Tuomainen

Originaltitel: Mies joka kuoli
Originalverlag: Like, Helsinki 2016
Aus dem Finnischen von Niina Katariina Wagner & Jan Costin Wagner

Erscheinungstermin: 24. Januar 2018
Hardcover mit Schutzumschlag
320 Seiten,

ISBN: 978-3-498-06552-2
€ 19,95 (D)
ebook € 16,99 [D]

Verlag und Quelle für Bild, Autorenbeschreibung sowie Klappentext: Rowohlt Hundert Augen


der Autor: 

Antti Tuomainen, Jahrgang 1971, ist einer der angesehensten und erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Er wurde u.a. mit dem Clue Award, dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet, seine Romane erscheinen in über 25 Ländern. Antti Tuomainen lebt mit seiner Frau in Helsinki.

Klappentext:

„Jaako ist 37, als sein Arzt ihm eröffnet, dass er keine Grippe hat, sondern sterben wird, und zwar sehr bald: Jemand hat ihn über längere Zeit hinweg vergiftet. Das an sich ist schon geeignet, einem Mann so richtig den Tag zu verderben. Leider wird Jaako bei der Rückkehr nach Hause außerdem noch Zeuge, wie ihn seine Frau mit Petri betrügt, dem jungen, knackigen Angestellten ihrer gemeinsamen Firma. Der Firma, die in jüngster Zeit gefährlich Konkurrenz bekommen hat. Jaako beschließt herauszufinden, wer ihn um die Ecke bringen will. Und er wird sein Unternehmen für die Zeit nach seinem Tod fit machen. Der Handel mit den in Japan zu Höchstpreisen gehandelten Matsutake-Pilzen läuft nämlich ausgezeichnet, und in Finnlands Wäldern wachsen nun einmal die besten. Doch das neue Konkurrenzunternehmen kämpft wirklich mit harten Bandagen. Ist es da Jaakos Schuld, wenn es zu Toten kommt? Und hat er überhaupt Zeit für anderer Leute Sorgen? Denn so viel ist klar: Mit dem Tod vor Augen geht alles leichter, gilt es doch jede Minute zu genießen.“

Zitate:

„Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, wie ich die letzten Tage verbringe, es gibt keine To-Do-Liste. Der Tod kommt ja nur einmal im Leben.“ Seite 19

„Einer nach dem anderen steht auf und geht, entfernt sich. Keiner möchte hören, was ich zu sagen habe. Ich bin dabei, die Hoffnung zu verlieren.“ Seite 31

Meinung:

Stellt euch vor, euer Arzt sagt euch, dass ihr vergiftet wurdet und nur noch wenige Tage zu leben habt. Also ich würde postwendend zu meinem Mann fahren und mich weinend in seine Arme werfen! So, oder so ähnlich denkt Jaakko sich das auch, als er seine Diagnose bekommt. Dumm nur, dass er zuhause seine Frau dabei überrascht, wie sie ihn mit einem Angestellten betrügt! Und als er dann beinahe zeitgleich auch noch erkennt, dass seine geliebte Firma bedroht ist, bleiben ihm eigentlich nur noch zwei Dinge zu tun:
1. Seine Firma retten und
2. Seinen Mord aufklären.
Na das könnte doch spannend werden, oder?

Ich muss zugeben, dass ich dieses Buch vor der Buchmesse absolut nicht auf dem Schirm hatte. Ich kannte bis dahin weder Titel noch den Autor, was ja für mich und meine Vorliebe für Morbides ja fast schon ein Frevel ist!
Aber zum Glück wurde ich darauf aufmerksam gemacht, denn diese Geschichte bescherte mir eine gänzlich neue Leseerfahrung.
Schuld daran sind mehrer Faktoren:

Zum einen fällt mir die Klassifizierung dieses Romans wirklich schwer. Denn trotz des ernsten Themas, das perfekt zu einem Krimi passt, erzählt Antti Tuomainen mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Jaakko begeht den Rest seines Lebens mit viel Zynismus, begegnet einiger Situationskomik und trifft sich mit vielen anderen Personen, die fast alle auf ihre Weise einen guten Anteil am Schmunzelfaktor beitragen. Dazu kommt, dass die meisten sehr sympathisch und menschlich wirken. Das erschafft trotz des drohenden Unheils eine unheimlich unterhaltsame und gelöste Stimmung.

Zum anderen werden wir Leser häufig mit doch recht poetischen Überlegungen und Aussagen konfrontiert. Jaakko wird sich seiner Sterblichkeit im Verlauf immer bewusster, was uns auf eine charmante Art, regelmäßig mit der Vergänglichkeit des Lebens bzw. der Endlichkeit des Seins konfrontiert. Das holt den Leser gekonnt immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, die da lautet: Jaakko wird sterben und ja – DU AUCH!
Alleine schon dieser Aspekt lies mich beim Lesen oftmals nachdenklich werden und definitiv kommt man weit davon ab, seine Geschichte als „leichte Kost“ zu empfinden. Denn das ist sie nicht. Obwohl, durch den warmerherzigen Stil und Umgang mit dem Thema irgendwie schon… Hmmm, schwierig! Aber ihr versteht bestimmt, warum ich mich damit schwer tue 😉

Für mich ist „Die letzten Meter bis zum Friedhof“ eine wirklich fesselnde Geschichte, die mich von Anfang an gut unterhalten konnte und nachdenklich zurücklässt. Antti Tuomainen vereint Humor mit Drama und Poesie, eine gekonnte Mischung, von der ich gerne mehr hätte!

Ach ja, falls sich jemand daran stören sollte, dass im Klappentext „Jaako“, aber in meiner Rezension „Jaakko“ steht, ich bin auch darüber gestolpert. Aber IM Buch steht tatsächlich „Jaakko“, also bitte nicht wundern!

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